Informations- und Erfahrungsaustausch zur Berufsbildung im digitalen Wandel

Digitalisierung und Berufsausbildung #

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Studienreise zum Informations- und Erfahrungsaustausch im Deutsch-Israelischen Programm in der Berufsbildung

Berufsbildung im digitalen Wandel

Das „Israel-Programm“ (www.na-bibb.de/israel) der Nationalen Agentur Bildung für Europa beim Bundesinstitut für Berufsbildung (NA beim BIBB)  führt im Rahmen von Studienreisen regelmäßig israelisches und deutsches Fachpersonal zu ausgewählten Themen der Berufsbildung zusammen. In diesem Jahr fährt eine Gruppe deutscher Expertinnen und Experten, die in ihrem jeweiligen beruflichen Umfeld den digitalen Wandel verantwortlich mit gestalten, nach Israel.Dort finden im Rahmen eines zehntägigen Informationsprogramms Treffen mit den israelischen Counterparts statt. Fragen rund um den digitalen Wandel der Berufsbildung werden gemeinsam diskutiert, Erfahrungen ausgetauscht, Kontakte geknüpft und vertieft.

Den digitalen Wandel proaktiv gestalten

Dabei stehen z.B. folgende Fragen im Mittelpunkt: Welche neuen Anforderungen stellt die Digitalisierung der Arbeits- und Berufswelt an die Beschäftigten? Welche neuen Herausforderungen müssen Ausbilder/innen bewältigen, um den digitalen Wandel im Ausbildungsalltag proaktiv gestalten zu können? Brauchen wir eine neue Didaktik und Methodik in diesem Kontext? Wenn ja, wie kann sie aussehen und wie können Ausbildungsverantwortliche die dafür notwendigen Kompetenzen entwickeln? Welche neuen Eingangsvoraussetzungen werden von den Auszubildenden verlangt?

Ausbildung und Digitalstrategie

Wie gehen kleine und mittelständische Betriebe mit der Digitalisierung um? Verfügen sie über eine „Digitalstrategie“? Wie sieht eine Digitalstrategie für das Berufsbildungssystem aus? Welche Kompetenzen benötigen Fachkräfte, um in digitalisierten Wertschöpfungsprozessen ergebnisorientiert arbeiten zu können? Diese und viele weitere Fragen sind Gegenstand des Studienaufenthaltes der deutschen Gruppe in den kommenden 10 Tagen in Israel. Wir werden berichten und sind gespannt auf unseren Besuch!

Bodenständige Berufsbildung und luftige Höhen

Tel Aviv, 17.02.2019 Nach zwei beeindruckenden Kulturtagen standen heute zwei Praxisbesuche auf dem Programm. Zuerst besuchten wir das Maltav College in Holon. Hier begrüßte uns zunächst Marsel von MEA und anschließend der Schulleiter Odette. Der Schulleiter gab einen Überblick über die Ziele, Intentionen und Weiterbildungsgänge. Das College bildet überwiegend in Bauberufen wie Gerüstbauer, Elektriker, Fliesenleger und Installateure aus und hat ca. 60 Schüler und Schülerinnen. Das College ist der Erwachsenenbildung zuzuordnen und unterliegt der Kontrolle von MEA. Die Qualifizierungsmaßnahmen dauern je nach Beruf vier bis elf Monate und gliedern sich in der Regel in drei Tage Schulbesuch und drei Tage Betriebspraxis. Die Teilnehmer erhalten eine Zuwendung über den Mindestlohn und nach erfolgreichem Abschluss und neunmonatiger Berufstätigkeit eine Einmalzahlung von 11.000 NIS (ca. 2700 Euro).

Der Besuch der Delegation beim Maltav College in Holon

Nach der Einführung durch den Schulleiter erklärte uns Rachel das digitale Prüfungswesen. Mittlerweile werden 70 % aller theoretischen Prüfungsteile online abgenommen, das Ziel sind 90 %. Dadurch ist der Prozess der Prüfungen wesentlich vereinfacht worden, es wurde Aufsichtspersonal eingespart und die Prüflinge erhalten nach drei Stunden bereits das Ergebnis. Bei dem anschließenden Rundgang hatten wir Gelegenheit mit einem Prüfling zu sprechen und das Prüfungszentrum zu besichtigen.

Beeindruckend war die Besichtigung der Ausbildungsschreinerei und der Besuch der Modedesignerklasse.

Ausbildungstischlerei mit CNC Fräse
Die Lehrerin des Bereiches Modedesign (Mitte) zeigt uns mit Stolz die Arbeiten der Schülerinnen und Schüler

Nach der Mittagspause besuchten wir Handasa Ba’gova in Lod.

Ein typisches arabisches Essen in Lod erwartete uns

Weiter im Trainingszentrum Handasa Ba’gova werden vor allem neben Gabelstaplerfahrer alle Formen von Kranführern ausgebildet. Je nach Ausbildung dauern diese Maßnahmen zwischen 16 und 180 Stunden verteilt auf drei bis vier Monate. Zielgruppen sind Ungelernte oder Umschüler. Zu unserer großen Freude sind wir in luftigen Höhen unterwegs und durften sowohl den Simulator als auch den echten Kran fahren.

Arno Limmeroth war begeistert von der Kranausbildung

Auch heute waren wir von den Fachbesuchen wieder sehr beeindruckt und freuen uns auf die letzen beiden Tage unserer Study Tour.

Unterwegs in den Hafenstädten Haifa und Akko

Haifa / Akko 10.02.2019 – Am Tag des Shabbats haben wir unser Kulturprogramm am Samstag in den Städten Haifa und Akko fortgesetzt. Mit einer Bustour aus dem zunächst noch verregneten Tel Aviv startete unsere Delegation am Morgen auf der Autobahn entlang des Mittelmeeres in nördliche Richtung. In Israel sagt man: „In Jerusalem wird gebetet, in Haifa gearbeitet, in Tel Aviv gelebt.“ So war auch am eigentlich heiligen Shabbat ein Einkaufszentrum in Haifa geöffnet – dem Stau zufolge ein beliebter Ausflugsort für die säkularen Juden im Land.

Halt machten wir am Aussichtspunkt oberhalb der Stadt, wo wir einen beeindruckenden Blick über die Bucht von Haifa und den größten Hafen Israels genießen konnten.

Blick auf den Hafen Haifas und auf die Bahai Gärten

Von Haifa aus ging es weiter in Richtung Akko, einer kleinen Stadt weiter im Norden der Bucht. Das Besondere: Akko hat eine überwiegend arabische Bevölkerung. Somit führte uns der Ausflug noch einmal lebhaft vor Augen, wie vielfältig die Gesellschaft in Israel ist und wie sich die Bevölkerungsgruppen je nach Ort in Tradition, Sprache und Religion unterscheiden.

In Akko besichtigten wir die alten Stadtmauern und Gebäude, die seiner Zeit von den Kreuzrittern erbaut und genutzt wurden. Akko ist somit auch Spiegel der wechselhaften Geschichte des, wie die Kreuzritter es tauften, „Heiligen Landes“.

Die „Tempelritter“ von Akko

Auf den Spuren der Vergangenheit

Jerusalem 15.02.2019 – An dem heutigen Tag stand der kulturelle Austausch im Vordergrund. Unsere Reiseleiterin Shiri bereitete uns schon vor dem Start darauf vor, dass der erste Teil des Tages uns sicherlich nicht leichtfallen würde. Dies bestätigte sich sehr schnell bei dem Besuch von Yad Vashem, der internationalen Holocaust-Gedenkstätte.(https://www.yadvashem.org/de.html).

Mit Jonathan Matthes hatten wir einen überaus kompetenten Guide, der uns mit viel Hintergrundwissen die Gedenkstätte sehr nah gebracht hat. In der Ausstellung durfte nicht fotografiert werden, so dass sich jeder Besucher ganz auf die Eindrücke der unterschiedlichen Stationen konzentrieren konnte.

Durch Bilder, Filme und Gegenstände hat die Ausstellung den ermordeten Juden wieder ein Gesicht gegeben; die Grausamkeit des menschenverachtenden Handelns der Nazis wurde deutlich. So wurde die Reise durch die Gedenkstätte emotional und zeigte bewegend die Leidensgeschichte der Juden durch den Holocaust auf.

Betonsäulen mit der Bezeichnung „Klassenfoto“

Die Betonsäulen mit der Bezeichnung „Klassenfoto“ greifen die Ermordung und das Leiden von eineinhalb Millionen Kindern, die durch den Holocaust ums Leben kamen, auf.

Eine Inschrift am Ausgang der Gedenkstätte weist uns darauf hin, warum dieser Ort auf keinen Fall in einer Study Tour fehlen darf:

Inschrift einer Gedenktafel in Yad Vashem

Im zweiten Teil des Tages erkundeten wir Jerusalem und lernten viel über die Ursprünge der Glaubensrichtungen Judentum, Islam und Christentum.

Den Anfang bildete ein unvergesslicher Blick auf Jerusalem und Shiri zeigte uns historische Orte der letzten Jahrhunderte.

Blick vom Ölberg auf Alt-Jerusalem

Nach einem Spaziergang entlang des Friedhofs und des Gartens „Gethsemane“ erreichten wir das Stadttor „Jaffa Gate“ der Altstadt Jerusalems.

Das „Jaffa Gate“ der Altstadt Jerusalem

Beeindruckend ist, wie die drei Weltreligionen auf dichtem Raum in Jerusalem nebeneinander existieren.

„Das Nebeneinander und Miteinander der Kulturen habe ich als sehr positiv erlebt – ich hatte es mir abgegrenzter vorgestellt. Die Atmosphäre wirkte auf uns gar friedlich.“

Angelika Riedel, Schulleiterin a. D.

Wir konnten die Stationen des Kreuzwegs von Jesus sehen und viele Pilger aus aller Welt waren in den schmalen Gassen von Jerusalem unterwegs.

Den Abschluss unseres Tages bildete ein Besuch an der Klagemauer, wo Hunderte von Juden zum Gebet zusammenkommen. Wegen des Shabbats konnten wir die Gebetsrituale der ultraorthodoxen Juden hautnah erleben.

Klagemauer in Alt-Jerusalem

Digitale Medien in der Bildung einsetzen – vom Museum bis ins Klassenzimmer

Tel Aviv, 14.02.2019

Der Einsatz digitaler Medien in unterschiedlichen Bildungszusammenhängen war unser heutiges Thema im Rahmen des Austauschs im Deutsch-Israelischen Programm.

The Palmach

Einen Einblick in die Möglichkeiten, historische Zusammenhänge mittels Videos und „live experiences“ zu vermitteln, bot uns der Besuch des Palmach-Museums in Tel Aviv.

The manner of presentation is extremely innovative. There are no displays or documents, but rather an account of a fascinating personal story accompanied by three-dimensional decor, films and various effects incorporating documentary materials.

http://palmach.millenium.org.il/Web/English/TheMuseum/Default.aspx

Hierzu erläuterte uns Herr Eliav Nahlieli, Designer des Palmach-Projekts und seit 35 Jahren als Museumsdesigner tätig, dass The Palmach nicht als normales Museum, sondern als Erfahrungsraum konzipiert ist, mit dessen Entwicklung er bereits vor 26 Jahren begonnen hat.

Eliav Nahlieli erläutert uns das Konzept von The Palmach

„It’s not a movie, it’s not a museum, it is an experience. The combination of the theater sorrounding, the movie and the documental database  – the balance of the three elements make The Palmach Experience so successful.“

Eliav Nahlieli, Programa I Design Studio

Derzeit arbeitet Herr Nahlieli an der Weiterentwicklung des Museums, um es den Entwicklungen und Möglichkeiten neuer digitaler Medien und den veränderten Anforderungen gerade jüngerer Besucherinnen und Besucher anzupassen. Um die jüngere Generation abzuholen, müssen Filme und Technologie angepasst und weiterentwickelt werden. Zentrale Basis der Präsentation bleibt jedoch ein gutes Narrativ:

„Technology is not the purpose, it is just a tool. Getting emotionally envolved is central – we focus on creating emotions. When you open the heart it is very easy to open the mind, to learn about something.“

Eliav Nahlieli, Programa I Design Studio

Hilfreich ist es also, ein Thema mit einem Narrativ zu verknüpfen – ein Ansatz der auch bei der Konzeption digitaler Lernmedien für die berufliche Bildung erfolgversprechend ist. Erst auf dieser Basis kann man klären, mit welchen Technologien und Medien man diese Story präsentieren kann, um die Adressaten auch emotional zu erreichen und zu involvieren – ganz nach dem Motto von Eliav Nahlieli: „Try to find the right way to tell an emotional story.“

„Methodica“-Workshop – Using digital tools in the education world

Am Nachmittag diskutierten wir im Rahmen eines Workshops mit den Israelischen Kolleginnen und Kollegen von Methodica die Möglichkeiten des Einsatzes digitaler Medien und Tools in Bildungskontexten. Hierbei stand unter anderem das Thema Lernen lernen im Vordergrund. Das Konzept von Methodica „Learning like a BEE“ wurde uns vorgestellt. Es soll Lehrkräften in Israel helfen, ihren Unterricht schülerzentriert umzugestalten.

Ziel ist,  den aktuell zu ca. 70 % lehrerzentriert gestalteten Unterricht weiterzuentwickeln, um den Anteil an Schüleraktivität zu erhöhen. Hierfür hat Methodica den „Converter“ entwickelt – eine praktische Arbeitshilfe für Lehrkräfte, die ihnen hilft, ihren Unterricht zu reflektieren und transformieren. Die Herausforderung ist auch hier die gleiche: Wie können wir Lehrpersonen in der digitalen Transformation mitnehmen? Die Bedeutung von Change Management, um kontinuierlich Lehr-Lernkulturen zu verändern, betonten heute alle drei Vertreter von Methodica. Seit einem Jahr arbeiten sie intensiv mit Lehrpersonen zusammen.

Danach hatten wir die Aufgabe, in Kleingruppen mit Hilfe des „Converters“ in 30 Minuten eine eigene Unterrichtseinheit zum Thema „Demokratie“ für 12- bis 13-jährige Schülerinnen und Schüler zu entwickeln.

Anschließend diskutierten wir mit Methodica, inwieweit ihr Instrument für die allgemeine und berufliche Bildung geeignet ist. Für den allgemeinbildenden Unterricht könnte es nützlich sein hinsichtlich des übergreifenden Ziels, vom lehrerzentrierten Unterricht wegzukommen. Für den berufsbildenden Unterricht scheint es für uns nur begrenzt geeignet, da sich unsere Planungen viel stärker auf Lernsituationen (Modell der vollständigen Handlung) beziehen. Die Erfahrung, wie in einem Design Thinking Prozess schnell Ideen im Team zu entwickeln, war für uns jedenfalls sehr interessant.

Anschließend stellte uns Efrat Friedman moderne Raumkonzepte vor, und gab Hinweise, wie man die Klasse in ein Learning Hub umwandelt, um den Lernenden mehr Möglichkeiten zur Selbststeuerung ihres Lernprozesses zu ermöglichen.

Abschließend stellte uns Nimrod Rotem – Head of technology  and new media of Methodica unter dem Titel „Tear down the wall – technological innovations in classrooms“ digitale Tools für Unterricht und Ausbildung vor und machte deutlich, dass diese Tools pädagogisch nützlich sein und einen Mehrwert hinsichtlich Interaktion und/oder Lerneraktivierung bieten müssen.

Nimrod Rotem – Head of technology and new media bei Methodica
https://platform.twitter.com/widgets.js

Er hob die Möglichkeiten digitaler Tools hinsichtlich Visualisierung und Story-Telling hervor, die bereits ein Smartphone bietet und stellte einige leicht in Unterricht und Ausbildung integrierbare Tools vor, bevor wir diese in einer kleinen Übungseinheit für die eigene Medienproduktion nutzten.

Lessons learned today:

  1. Verbindendes Element beider Einheiten heute war die Idee, dass beim Lernen auch eine emotionale Komponente angesprochen werden sollte – Storytelling und ein leitendes Narrativ sollte auch bei der Erstellung von Medien für die berufliche Bildung noch stärker berücksichtigt werden.
  2. Es war faszinierend zu sehen, wie wir alle innerhalb kurzer Zeit neue digitale Tools erprobten und ohne Vorwissen und lange Einarbeitung Ideen für deren Einsatz im berufsbildenden Kontext entwickelten und auch umsetzen konnten – AR-Elemente für das Klassenzimmer, kollaborativ erstellte Ergebnissammlungen, kleine, mit visuellen Elementen erweiterte Einführungsvideos usw.

Besuch bei der AMAL-Berufsschule in Nazareth

Am dritten Tag der Study Tour besuchten wir die AMAL-Berufsschule in Nazareth, die mit ihren 520 Schülerinnen und Schülern zu den größten Berufsschulen in Israel zählt.

Dort wurden wir vom Schulleiter Herrn Gazal, von einem Teil des 54-köfpigen Kollegiums sowie zahlreichen Schülerinnen und Schülern herzlichst begrüßt.

Nach einer kurzen Einführung in die Historie der Schule konnten wir live den Unterrricht in den dort angebotenen 5 Bildungsgängen erleben. Dieser Unterricht umfaßt in der Regel 40 Stunden pro Woche, wobei 12-18 Stunden in den Werkstätten und Laboren stattfinden und von 6 Stunden Berufstheorie sowie den Fächern Hebräisch, Arabisch, Englisch, Mathematik, Sozialkunde und Geschichte ergänzt werden.

Den Einstieg machten wir in der Fachabteilung Kulinarik, in der eine große Anzahl von angehenden Köchinnen und Köche begeistert und hochmotiviert unser Mittagessen vorbereitete.

Danach besuchten wir das audio-visuelle Studio der Berufsschule, in dem die Auszubildenden an ihren Projekten im Bereich digitaler Fotografie, Videoaufnahme und -schnitt arbeiteten.

Nach einem kurzen Abstecher in die hauseigene Konditorei, konnten wir ein preisgekröntes Anrangement der Maskenbildner bestaunen und anschließend die Auszubildenden aus den Bereichen Hairstyling und Kosmetik kennenlernen.

Nachdem ein Besuch der Kfz-Werkstätten wegen gerade stattfindender größerer Umbauarbeiten nicht möglich war, konnten wir abschließend eine digital-unterstützte Unterrichtseinheit zum Thema „4-Takt-Motor“ miterleben. Die Schüler hatten dabei die Möglichkeit individuell am PC die Funktionsweise eine „4-Takt-Motors“ interaktiv nachzuvollziehen.

Den Abschluß bildete das gemeinsame, sehr schmackhafte Mittagessen mit der Schulleitung, beteiligten Lehrkräften und den Vertretern des Ministeriums. Neben dem sehr herzlichen Empfang durch die gesamte Schulgemeinschaft beeindruckte uns besonders die Motivation der Schüler, die nach Abschluß ihrer Schulausbildung zu annähernd 100% mit einem Arbeitsvertrag rechnen können.

Perspektiven und Herausforderungen in der beruflichen Bildung in Israel

Tel Aviv, 11.02.2019. Heute ist der erste Tag unserer Study Tour mit sehr interessanten Vorträgen. Die Einführung in das Programm hat Frau Marsel Asulin übernommen und die Agenda vorgestellt. Mr. Moshe Katz aus dem „Manpower Training and Development Bureau (MEA)“ des „Ministry of Labor, Social Affairs and Social Services“ hat die Zusammenarbeit mit Deutschland hervorgehoben und sehr wertgeschätzt. Es sind in den letzten Jahren und Jahrzehnten der Freundschaft viele Austauschprogramme entstanden, die als sehr wertvoll für die Entwicklung der Beruflichen Bildung in Israel gesehen werden und er hat sich dafür bedankt.

Deutsche Delegation der Study tour mit den israelischen Kolleginnen und Kollegen

Im Anschluss hat Frau Marsel Asulin, Superior Director des MEA, einen sehr guten Überblick über die Berufliche Bildungssituation in Israel und dessen Herausforderung gegeben. Es war erstaunlich, dass viele Herausforderungen sich mit denen in Deutschland ähneln, obwohl die Rahmenbedingungen doch sehr unterschiedlich sind.

Ms. Marsel Asulin gibt einen Überblick über die Situation der Beruflichen Bildung in Israel

Nach der Kaffeepause erwartete uns ein sehr interessanter Vortrag über den Einsatz digitaler Medien und Werkzeuge im Unterricht von dem sehr engagierten Lehrer Mr. Gibson Weisler. Er gab einen Einblick in die Praxis von Lehrkräften und hat dabei sehr viele Herausforderungen benannt, die auch uns nicht fremd sind.

Mr. Gidon Weisler – ein Lehrer mit digitalem Weitblick

Anschließend gab uns Dr. Dovi Weiss einen Einblick in digitale Tools in der universitären Lehre. Digital Literacy ist eine der Grundvoraussetzungen, die wir auch in der beruflichen Bildung zu fördern haben.

Dr. Dovi Weiss spricht über Digital Literacy und über den Einsatz digitaler Werkzeuge in der Bildung

In seiner Präsentation zeigte Dr. Weiss einen kleinen amüsierenden Video-Nugget: Die Generation Alpha ist die nächste Zielgruppe der Bildung. Diesen möchten wir Ihnen nicht vorenthalten: https://youtu.be/njSEEnCGl6o

Zudem gab er einen Überblick über digitale Werkzeuge und deren Nutzen für die Lehre. Es war sehr inspirierend und interessant zu sehen, wie man mit wenig Aufwand digitale Inhalte in den Unterricht oder für Kurse einbinden kann.

Freie edX Kurse wurden mit dem Ministerium entwickelt und werden kostenfrei zur Verfügung gestellt https://www.edx.org/school/israelx

Marsel Asulin gibt einen vertiefenden Einblick in die Arbeit des MEA

Problem Based Learning und praxisnahe Ausbildung sind keine Fremdwörter in Israel. Es werden moderne didaktische Konzepte in Projekten umgesetzt und auf die Ausbildung transferiert. Die Lehrer werden ebenfalls universitär ausgebildet und haben mindestens einen universitären Abschluss. Es gibt auch Quereinstiegsverfahren für das Lehramt mit Fortbildungen für unterschiedliche Berufsbereiche. Dafür bietet das MEA Angebote, die auch mit Q&A Maßnahmen abgesichert werden.

Prof Dr. Yoram Harpaz ist Senior Lecturer und Journalist. Er ist Chefredakteur des größten Journals über Bildung in Israel

Prof. Dr. Yoram Harpaz` Webseite gibt einen Eindruck über seine Arbeit. Präsentationen und Publikationen wurden hierüber veröffentlicht.https://yoramharpaz.com

Prof. Harpaz zeigte eindrucksvoll einen philosophischen Zugang zu Gestaltung von Bildungsumgebungen: „Wir haben uns bei der Gestaltung von Bildungsumgebungen in einem ersten Schritt zu fragen, welchem Narrativ wir folgen möchten: einem sozialisierenden, einem kulturalisierenden oder einem indidualisierenden Narrativ. Erst dann können wir dieses als Paradigma für zukünftige Bildungsmaßnahmen festlegen und erfolgreich umsetzen.“ Der ganzheitliche Vortrag hat bewusst provoziert und alle Teilnehmenden für das Thema sensibilisiert. Es war ein Highlight zum Ende des Tages.

Vielen Dank für diesen eindrucksvollen, interessanten und abwechslungsreichen Tag.

Tel Aviv, 12.02.2019

Schwerpunkt des zweiten Tages waren die Konzeption digitaler Medien und die konkrete Anwendung in Pilotumgebungen.

Die Tour startete bei dem Content Provider Compedia (https://compedia.net/), der 30 Jahre Erfahrung im didaktischen Bereich hat.

Ein aktueller Schwerpunkt von Compedia ist das Trainieren von Lehrkräften zum Umgang mit digitalen Medien.

Bei Compedia werden unter anderem interaktive Bücher entworfen. Dazu gehören Lehrerhandbücher, die der Unterrichtsvorbereitung dienen und den Lehrkräften einen strukturierten Einstieg in die digitale Unterrichtsgestaltung geben. Gezeigt wurde ein Buch über die Bibel, welches um Augmented Reality Inhalte erweitert wurde und dadurch viel spannender für die Schülerinnen und Schüler wird. Damit ist das selbstentdeckendes Lernen konkret möglich

Aber auch technische Lerninhalte spielen eine wichtige Rolle. Ausprobieren konnten wir die interaktive Animation einer Brückenschaltung für das Elektrohandwerk.

Eine Weiterentwicklung ist das Zeigen der Augmented Reality nur auf einem Display statt über eine VR-Brille, da Fachkräfte das Tragen einer Brille z.T. ablehnen. Auch dargestellt und ausprobiert wurde die virtuelle Überprüfung, ob ein Mitarbeiter die elektrische Abnahme einer Anlage richtig durchführt.

Die Simulation von menschlichem Verhalten ist ein weiterer Schwerpunkt des Unternehmens, z.B. zum Trainieren von Verhalten in schwierigen Situationen. Vorgestellt wurde die Simulation der ersten Untersuchung in der Notaufnahme in einer Klinik über virtual Reality.

Die zweite Station war das Regierungsprogramm „Digital Israel“, das flächendeckend digitale Services für die gesamte Bevölkerung zur Verfügung stellen soll. Dies bedingt die Entwicklung und Bereitstellung digitaler Services wie auch die Qualifizierung und Akzeptanz zur Nutzung durch die unterschiedlichen Zielgruppen in Israel. Die Abteilung betreut mit 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ca. 180 Projekte. Ein sehr großes und wichtiges Projekt ist in diesem Zusammenhang die nationale Plattform für digitales Lernen „Campus-IL“, siehe https://campus.gov.il/.

Um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, sind zum Beispiel grundlegende Englischkenntnisse eine Voraussetzung.

In Israel beherrschen ca. 50 % der Bevölkerung die englische Sprache, woraus sich ein konkreter Handlungsbedarf ableitet, der mithilfe kostenloser digitaler Angebote erfüllt werden soll.

So muss die Bevölkerung dazu ermutigt werden, sich selbst für ein lebenslanges Lernen zu begeistern. Dafür ist die Akzeptanz in der Gesellschaft zu schaffen, eine der übergreifenden Zielsetzungen von „Digital Israel“. Plattformen wie https://www.edx.org/school/israelx unterstützen dies.

75.000 Anwender sind bereits auf dieser Lernplattform unterwegs. Wer möchte, kann zum Abschluss eines online Kurses auch ein Zertifikat erwerben. Die Kurse sind grundsätzlich frei, die Abnahme eines Zertifikats kostet beispielsweise 50 €.